Oder warum der Pandabär „das beschissenste Tier der Welt ist.“[1]

Jeder ist süchtig nach Input und das so interaktiv, personalisiert und vollumfänglich wie möglich auf allen verfügbaren Kanälen. Wir sind süchtig nach komprimierten hard facts, wie ein Youtube Tutorial über das richtige Zwiebelschälen während dem Kochen oder online Statistiken während einer hitzigen Diskussion. Wir suchen zielorientiert und ohne Umwege nach dem was wir brauchen. Umso erstaunlicher, dass der Podcast „Fest und Flauschig“ von Jan Böhmermann und Oli Schulz ausgerechnet mit Fragen zur schöpferischen Sinnhaftigkeit einzelner Tiere durch die Decke geht.

Böhmermann: „Der Pandabär ist das beschissenste Tier der Welt, nicht in der Lage alleine zu leben. Seit fünfzig oder sechzig Jahren wird er durchgefüttert vom Menschen.“ Daraufhin Schulz: „Der Pandabär ist eine Verarschung Gottes. Der ist nur gemacht worden, um zu zeigen: Nur geil aussehen alleine, bringt auch nichts.“

„Fest und Flauschig“ bildet nämlich mit seiner bewusst inszenierten, willkürlichen und spontanen Ansammlung von unnützen Ideen in Plaudermanier keine Ausnahme im Podcast Horizont. Vielmehr zeichnet sich die Mischehe aus nostalgisch verstaubtem Radio und grenzenlosem Internet gerade dadurch aus kein festes Konzept hinsichtlich seiner Länge oder seines Skripts zu haben. Oft wird ihm vorgeworfen dabei lediglich eine kleine nischenähnliche Audience zu bedienen. Der Podcast soll alles und nichts können, er ist ein Mischwesen aus Informationsquelle und monomedial entschleunigter Unterhaltung. Und trotzdem: beinahe unbemerkt wurde er zum Massenmedium.

Doch wie konnte der Podcast überhaupt zum Massenmedium werden, wo er doch auf den ersten Blick keine Anforderung an ein modernes Kommunikationsmittel erfüllt? Ein Blick auf die Kulturgeschichte der auditiven Medien zeigt, dass sich die Entwicklung von einer Schrift basierten Moderne zu einer oralen bereits abgezeichnet hat.

Ein stetig wachsendes Interesse an den neuen technikkulturellen Entwicklungen auditiver Medien äußert sich zu Beginn der 2000er Jahre im Erscheinen mehrerer Forschungsarbeiten zum Verhältnis von Schriftlichkeit und Mündlichkeit im digitalen Zeitalter. Gerade im Anschluss an den kanadischen Medientheoretiker Marshall McLuhan wird dieser Cyberspace primär als akustischer Raum gedacht.

Zentral für McLuhan war die These vom Niedergang der Buchkultur durch die neue elektronische Medienkultur. Für ihn beginnt mit dem Ende der Gutenberg-Galaxis ein neues Zeitalter. Die Geschichte teilt er daher in vier Epochen ein: die orale Stammeskultur, die literale Manuskript-Kultur, die Gutenberg-Galaxis und das elektronische Zeitalter.[2] Erstere bezeichnet er als eine „Welt des Ohres“, da der Mensch nur über die gesprochene Sprache als Medium verfügt und vollumfänglich im akustischen Raum lebt. In zweiterer führt das neue Medium der Schrift das Stammesdasein in die Zivilisation, da sie den Menschen „ein Auge für ein Ohr gibt“. Dies gelingt erst durch das phonetische Alphabet, da hier im Vergleich zu Hieroglyphen oder Ideogrammen das einzelne Zeichen bedeutungslos ist und durch die Abstraktionsleistung beim Lesen nur noch das Auge angesprochen wird. Die Dominanz des Ohres, wird für den Lesenden durch die Dominanz der visuellen Komponente ersetzt. Lediglich für die Zuhörer der Manuskript-Kultur bleibt die akustische Komponente erhalten. Mit dem Gutenberg-Zeitalter werden Druckerzeugnisse für die breite Allgemeinheit zugänglich. So verändert sich das akustische Erlebnis Vorlesen hin zum Stilllesen. Die Vielfallt der menschlichen Sinnesempfindungen in der Kommunikationskultur wird auf eine rein visuell annehmbare Kommunikationsstruktur konzentriert, die streng linear aufgebaut ist: Wir lesen der Reihe nach ein Wort nach dem anderen.

Dies führt McLuhan zum elektronischen Zeitalter und zu seiner ikonischen These: The Medium is the Message.[3] Man solle sich nicht bloß auf den vermittelten Inhalt konzentrieren, sondern eben auch auf die technischen Voraussetzungen (Form) der Medien. Jedes Medium zeige die Veränderung des Maßstabes, Tempos, oder Schemas, die es für die Existenz des Menschen mit sich bringt. Das Medium ist deshalb die Botschaft, weil seine bloßen technischen Voraussetzungen das Ausmaß und die Form des menschlichen Zusammenlebens steuern. Medien geben die Wirklichkeit nicht wieder, sondern definieren diese erst. Ein einfaches Beispiel ist der Postverkehr: Einen Brief zu versenden dauert im Schnitt zwei Werktage, wohingegen eine E-Mail binnen Sekunden beim Empfänger ankommt. So verändert sich das Miteinander der Menschen, da ihre Aktionen und Reaktionen fast gleichzeitig erfolgen.

Der Niedergang der über einige Jahrhunderte prägenden Buchkultur durch die elektronische Medienkultur läutet ein neues Zeitalter ein. Die Fixierung auf die Schriftkultur hat laut McLuhan eine Bandbreite an sinnlichen Bedeutungs- und Wahrnehmungsinhalten unterdrückt, deren Rückeroberung durch die neuen Medien möglich werden würde. Er träumte bereits in den Sechzigern von einer Kultur der Bilder und Benutzeroberflächen. Im Cyberspace hingegen wird die Wahrnehmung von Zeit und Raum neu definiert. Distanzen und lineare Zeitkonstrukte aller Art werden im WWW aufgehoben. Im Internet gibt es lediglich eine Gleichzeitigkeit von Bild-, Ton- und Textinformationen. Daher surfen wir auch im Netz und vernetzen uns in einer virtuellen Community als frei kommunizierende Nutzer.

Dieser Schwerpunkt auf die Kommunikation im digitalen Zeitalter gipfelt im Podcast als Medium. Er möchte unsere vielfältigen Sinneswahrnehmungen zurückerobern, indem er den Fokus der visuellen auf die lange verschollene akustische Wahrnehmung verschiebt.

Wenn Unternehmen u.a. auf Podcasts als Kommunikationsstrategie setzen, bedienen sie nicht nur eine Nische. Im Gegenteil: Sie setzen auf den Kern der Aussage von McLuhan. Das Medium ist die Botschaft, weil sich in seiner Form bereits die gesellschaftliche Zukunft abzeichnet.

Daily7 hat diesen Trend und das Potential von Podcasts frühzeitig erkannt und ermöglicht Ihrem Unternehmen von der Konzipierung der Podcasts, bis zur Aufnahme über die Generierung einer geeigneten Audience ein Komplettpacket. Unserer Ansicht nach darf der Podcast in keiner Marketing- und Kommunikationsstrategie fehlen. Ob als Advertising-Plattform, als Sales-Kanal oder als eigener Content-Marketing-Channel. Dies ist der außergewöhnlich intensiven und konzentrierten Nutzungssituation der Hörer geschuldet. Die Werbebotschaft wird von dem Host in der Gesprächssituation authentisch und zwanglos eingebunden. Zudem ist der Podcast aufgrund der sehr persönlichen Rezeption die effizienteste Form der internen Unternehmenskommunikation.

[1] Jan Böhmermann: Im Panic Room von Günter Jauch. Ep. 122 von „Fest und Flauschig“.

[2] Marshall McLuhan: The Gutenberg Galaxy. 1962.

[3] Marshall McLuhan: Understanding Media: The extension of Man. 1994.